Freitag, 7. Februar 2014

kindergarten in schweden

ich wollte schon einige zeit mal über den kindergarten in schweden berichten. ganz allgemein mit vor-und nachteilen. denn es ist nicht alles ganz so rosig, wie das manchmal von deutschland aus gesehen wird. ich will mich nicht beschweren, ich finds super und im großen und ganzen denk ich wesentlich einfacher als in deutschland.
ich schreibe von der stockholm-region und von unseren erfahrungen ausgehend. das kann natürlich woanders in schweden etwas anders aussehen.

zuerst mal wird hier jedem kind ab einem jahr ein kindergartenplatz in der kommune garantiert. nach 3 monaten wartezeit. klingt erstmal super. das heißt allerdings nicht, dass man dann auch einen platz in dem kindergarten bekommt, den man gerne hätte. in unserer kommune kann man sich, wenn das kind 3 monate alt ist, auf die wartelisten stellen und gibt dann bis zu 3 wunschkindergärten an. milo sollte mit 14 monaten in den kindergarten kommen (also nach 11 monaten wartezeit). wir hatten 2 wunschkindergärten angegeben und haben KEINEN der beiden bekommen. aber immerhin einen platz. neulich stand in der zeitung, wieviele kinder trotz garantiertem platz eben keinen haben. besonders in der innenstadt von stockholm ist es problematisch. wenn ein kind ein größeres geschwisterkind hat, dann hat es automatisch vorrecht auf einen bestimmten kindergarten. macht sinn für die eltern der kinder, kann aber fuer erstlingseltern nerven.

es gibt keinen unterschied zwischen kinderkrippe und kindergarten. von 1 bis 5 jahren geht man in die "förskola". dann kann es natürlich im kindergarten selbst unterteilungen geben. in milos erstem kindergarten waren zu anfang alle altersgruppen zusammen. im jetzigen sind kinder von 1-3 in einer gruppe und von 3-5 in einer anderen. die gruppen haben getrennte eingänge, getrennte spiel- und schlafräume, aber in der mitte des gebäudes gemeinsame ess- und kunsträume. früh morgens und nachmittags, wenn nur wenige kinder da sind, sind die großen immer mit bei den kleinen. im hof spielen alle zusammen.

kosten. es ist tatsächlich spottbillig. in unserer kommune sieht es wie folgt aus:
für kinder, die mehr als 15 stunden die woche in den kindergarten gehen:
  • fuer kind nr 1: 3% des einkommens, aber maximal 1260 kronen im monat. (140 euro)
  • fuer kind nr 2: 2% (max 840 kronen)
  • fuer kind nr 3: 1% (max 420 kronen)
  • ab dem 4. kind kostenlos
wir sind beide doktoranden, verdienen also nicht die welt und sind trotzdem beim höchstsatz. für diese (im vergleich zu deutschland scheinbar) spottbilligen 140 euro bekommt das kind im kindergarten alle mahlzeiten, zu denen es anwesend ist. das heißt morgens frühstück, um 9 obst, mittagessen, 14:30 uhr zwischenmalzeit (joghurt/brot) und 16:30 nochmal obst.

jetzt kommt der teil, den ich doch etwas befremdlich finde. wenn ein elternteil aus gründen nicht arbeitet oder studiert, also zum beispiel arbeitslos ist oder aber auch mit einem jüngeren geschwisterkind zu hause) DARF das grosse kind nicht mehr als 15 stunden die woche (in unserer kommune, in anderen ist es mehr) in den kindergarten. und diese 15 stunden kann man sich nicht selbst aussuchen, sondern sie sind festgelegt. in unserem kindergarten montag bis mittwoch 9-14 uhr.
wie war das mit "arbeitssuche ist ein fulltime job"? ich finde es außerdem ungerecht gegenüber beiden kindern. gegenüber dem älteren, da es nicht so oft wie seine freunde in den kindergarten darf und so einiges verpasst und es zu hause mit einem babygeschwisterchen bestimmt nicht so viel action gibt. und gegenüber dem jüngeren (und der mutter), weil es wesentlich weniger ungeteilte aufmerksamkeit der mutter bekommt, als das große kind. aber gut. MEINE meinung.

anspruch auf kindergarten hat das kind nur in der zeit, in der die eltern arbeiten plus reisezeiten. nach der arbeit noch schnell milch kaufen, bevor man das kind abholt, ist nicht erlaubt. auch nicht, wenn das kind pünktlich abgeholt wird. in einer der südlichen kommunen stockholms hat man jetzt wohl eingeführt, dass der arbeitgeber einen schriebs unterschreiben muss mit den tatsächlichen arbeitszeiten der eltern und die kommune dann ausrechnet, wieviel zeit man braucht, um bis zum kindergarten zu kommen. jawoll. bei uns wird das noch auf vertrauenbasis geregelt.

so, das wärs erstmal, was mir so einfällt. kommentare, anyone?

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Na, also ich finde das doch eigentlich ganz super! Billig, versorgt wenn man arbeitet udn Plätze werden freigehalten für Kinder deren Eltern tatsächlich arbeiten!
In Neuseeland ist es zwar einfach einen Platz zu bekommen, aber mit ca 30 Euro am Tag auch nicht so günstig! Das kann man sich eh nur leisten wenn man arbeitet.

Bernadette hat gesagt…

Wir sind gerade nach Schweden (Uppsala) gezogen - Danke für diesen Post! Bin gespannt, wie das bei uns dann laufen wird.
lg, Bernadette

Anonym hat gesagt…

Naja, wobei z.B. die "Überwachung" der Reisezeiten der Eltern bei freien Schulen/Kindergärten speziell in Upplands Väsby eher lasch gehandhabt wird. Man kann auch aus etlichen Gründen (z.B. soziale) einen Platz als Ausnahme bekommen. Eine Selbstständigkeit z.B. wird auch niemand ausreichend nachprüfen.

Man muss also nur wissen Wie und schon hat das Kind einen Platz in der förskola/fritids. Durch diese Ausnahmepolitik haben ich und meine Kollegen Mo-Fr immer etwas mehr zu tun.
Und genau diese Eltern sitzen dann zu Hause oder im Centrum und bummeln die Zeit ab. Man darf halt nur nicht zu ehrlich und anständig sein.

eni hat gesagt…

@ anonym vom 9. februar
darf man fragen, wer du bist? wohnst/arbeitest du in väsby? als pädagoge oder in der verwaltung? jetzt bin ich neugierig...

Anonym hat gesagt…

@eni
Ich bin so wie du ausgewandert (nun schon fast genau fünf Jahre), wohne in Stockholm und arbeite als Pädagoge an einer Schule in Väsby. Ich habe auch nur meine Erfahrungen von meiner Arbeitsstelle aufgeschrieben. Es kann durchaus sein, dass es an kommunalen Kindergärten anders zu geht.

Lydia hat gesagt…

Das mit den Zeiten finde ich auch befremdlich. Soll ja auch Jobs geben, die nach der regulären Anwesenheitsarbeitszeit nicht zu Ende sind. Lädt halt zum Tricksen ein. Prinzipiell finde ich es nicht sooo tragisch, dass es eine Einschränkung gibt, wenn einer nicht berufstätig ist - aber dass es von Seiten der Kita festgelegt wird, WANN die Betreuung ist, ist auch doof. Und wenn man nun freitags was mit dem anderen Kind vorhat, z.B. einen Kurs?! Ist doch blöd. Bei uns werden maximal 20 Stunden Betreuung gefördert, wenn einer in Elternzeit ist. Aber die darf man sich halt selbst legen. Und eine Ausnahme gibt's, wenn man nach spätestens einem Jahr wieder arbeiten geht - dann wird weiter gefördert wie bisher (bei Tagesmüttern). Lädt genauso zum Tricksen ein ;)
Über diese Preise lese ich mal so lange hinweg, wie wir noch hier in der Gemeinde leben. Jeder gesparte Cent sei allen gegönnt ;)

Anonym hat gesagt…

Wisst ihr wie es dort mit der Eingewöhnung gehandhabt wird? Gibt es ein bestimmtes Modell (z.B.: Berliner Eingewöhnungsmodell) oder macht das jeder anders? Oder hat Schweden ein eigenes Modell zur Eingewöhnung?

eni hat gesagt…

Die Eingewöhnung ist denk ich überall anders, aber meistens so, dass es über 1-2 Wochen geht. Am Anfang ist man dabei, geht dann mal ne Stunde weg und dann wird das einfach immer mehr ausgeweitet. Wenns gut läuft ist die Eingewöhung nach ein paar Tagen vorbei, wenn ein Kind mehr Zeit braucht, dann kann es auch länger laufen.

Anonym hat gesagt…

Danke Eni. Aber weißt du ob es evtl nach einem bestimmten Modell verläuft. Bin auf der Suche nach etwas anderem als in Deutschland/ Österreich oder Luxemburg....